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3D Druck

PETG einfach erklärt – Der robuste Allrounder nach PLA

PETG ist einer der wichtigsten Kunststoffe nach PLA. Wir erklären einfach, warum PETG besonders für robuste Funktionsteile interessant ist und worauf beim Drucken geachtet werden sollte.

Herr Brinke 8 Minuten Lesezeit Aktualisiert: 26/08/2026
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Bis jetzt haben wir uns hauptsächlich mit der großen PLA-Familie beschäftigt.

Wir kennen:

PLA – den einfachen Allrounder

PLA+ – für etwas robustere Anwendungen

PLA Matte – für matte Oberflächen

PLA Silk – für besonders glänzende Modelle

Jetzt verlassen wir die PLA-Familie.

Denn irgendwann soll ein 3D-Druck vielleicht nicht nur schön aussehen.

Er soll wirklich benutzt werden.

Eine Halterung in der Werkstatt, ein Gehäuse, ein Organizer oder ein funktionales Bauteil muss häufig mehr aushalten als eine Figur im Regal.

Dann wird ein anderes Filament interessant:

PETG

PETG gehört neben PLA zu den wichtigsten Filamenten im FDM-3D-Druck.

Und das Beste:

Es ist deutlich weniger kompliziert, als es zunächst klingt.


Was ist PETG?

PETG ist ein Kunststoff aus der PET-Familie.

PET kennen wir aus unserem Alltag beispielsweise von Kunststoffflaschen.

Das G steht für:

Glykol-modifiziert

Für den Einstieg müssen wir uns die Chemie dahinter aber nicht merken.

Viel wichtiger ist:

PETG ist ein relativ einfach druckbares Filament für funktionale und robustere Bauteile.

Man kann es sich vereinfacht als nächsten Schritt nach PLA vorstellen.


Warum sollte ich PETG verwenden?

Stell dir vor, wir drucken zwei Gegenstände.

Der erste ist eine kleine Figur für das Regal.

Der zweite ist eine Halterung für die Werkstatt.

Die Figur muss hauptsächlich gut aussehen.

Die Halterung wird dagegen:

  • angefasst
  • belastet
  • vielleicht einmal fallen gelassen
  • möglicherweise etwas wärmer

Für die Figur ist PLA hervorragend geeignet.

Bei der Halterung wird PETG interessant.


PETG oder PLA?

Das ist wahrscheinlich eine der häufigsten Fragen beim Einstieg in verschiedene Filamente.

Vereinfacht können wir sagen:

PLA = einfacher und ideal für Modelle

PETG = robuster und interessanter für Funktionsteile

Aber das bedeutet nicht:

PETG ist besser als PLA.

Beide Materialien haben unterschiedliche Aufgaben.


Was kann PETG besser als PLA?

PETG besitzt einige Eigenschaften, die es für funktionale Bauteile interessant machen.

Es ist im Allgemeinen:

  • zäher als normales PLA
  • weniger spröde
  • temperaturbeständiger als PLA
  • für viele Funktionsteile geeignet
  • relativ gut zu drucken

PETG kann sich unter Belastung eher etwas verformen, bevor es plötzlich bricht.

Das kann bei vielen praktischen Bauteilen ein Vorteil sein.


Wofür eignet sich PETG?

PETG eignet sich beispielsweise für:

  • Werkzeughalter
  • Gehäuse
  • Boxen
  • Organizer
  • Halterungen
  • Clips
  • funktionale Prototypen
  • Werkstattprojekte
  • Schutzteile
  • technische Bauteile
  • Maker-Projekte

Gerade für Werkstatt und MakerLab ist PETG deshalb ein sehr interessantes Material.


Ist PETG hitzebeständig?

PETG verträgt höhere Temperaturen als normales PLA.

Das bedeutet aber nicht:

PETG ist unbegrenzt hitzebeständig.

Für wirklich hohe Temperaturen gibt es andere technische Kunststoffe.

Aber für Anwendungen, bei denen PLA bereits zu weich werden könnte, kann PETG eine gute nächste Stufe sein.

Für ein konkretes technisches Bauteil sollten immer die Temperaturangaben des jeweiligen Filamentherstellers geprüft werden.


Ist PETG für draußen geeignet?

PETG kann für manche Außenanwendungen verwendet werden und kommt mit Feuchtigkeit besser zurecht als viele einfache PLA-Anwendungen.

Für ein Bauteil, das jedoch dauerhaft Sonne und Wetter ausgesetzt ist, lernen wir später noch ein besonders interessantes Material kennen:

ASA

Als einfache Orientierung:

Gelegentlich draußen → PETG kann interessant sein

Dauerhaft draußen → ASA genauer anschauen


Ist PETG schwer zu drucken?

Nein.

Aber es ist meistens etwas anspruchsvoller als PLA.

Wenn PLA unser Filament für:

„Einlegen und losdrucken“

ist, dann ist PETG eher:

„Einlegen, richtiges Profil auswählen und ein bisschen genauer hinschauen.“

Moderne Drucker und gute Filamentprofile machen PETG inzwischen sehr zugänglich.

Deshalb eignet es sich auch für Einsteiger, die bereits erste Erfahrungen mit PLA gesammelt haben.


Welche Temperatur braucht PETG?

PETG wird heißer gedruckt als PLA.

Die genaue Temperatur hängt jedoch stark vom verwendeten Filament und der Druckgeschwindigkeit ab.

Deshalb gilt wieder:

Herstellerprofil verwenden.

Nicht einfach irgendeine Temperatur aus einem Internetforum übernehmen.

Das passende Profil berücksichtigt normalerweise:

  • Nozzle-Temperatur
  • Druckbetttemperatur
  • Kühlung
  • Geschwindigkeit
  • Materialfluss

Für den Einstieg sollten diese Werte zunächst nicht unnötig verändert werden.


Bambu Lab PETG

Bambu Lab bietet verschiedene PETG-Varianten an.

Eine wichtige aktuelle Variante ist:

Bambu Lab PETG HF

HF steht für:

High Flow

Das Material wurde für einen hohen Materialfluss und damit für die schnellen Druckgeschwindigkeiten moderner Bambu-Lab-Drucker entwickelt.

Innerhalb des Bambu-Systems profitieren passende Bambu-Filamente außerdem wieder von:

  • abgestimmten Profilen
  • einfacher Materialauswahl
  • RFID-Erkennung mit kompatiblem AMS

Gerade wer einen Bambu-Lab-Drucker verwendet, bekommt dadurch einen sehr unkomplizierten Einstieg in PETG.


SUNLU PETG

Auch SUNLU bietet klassisches PETG und entsprechende Varianten an.

SUNLU PETG kann auf vielen geeigneten FDM-Druckern verwendet werden.

Natürlich auch auf geeigneten Bambu-Lab-Druckern.

Dabei fehlt normalerweise die automatische Bambu-RFID-Erkennung.

Das ist aber kein grundsätzliches Problem.

Im Slicer wird einfach ein geeignetes PETG-Profil ausgewählt.


Bambu Lab PETG oder SUNLU PETG?

Beide können eine gute Wahl sein.

Bambu Lab

Besonders interessant, wenn:

  • ein Bambu-Lab-Drucker verwendet wird
  • AMS und RFID genutzt werden
  • möglichst wenig eingerichtet werden soll
  • abgestimmte Profile gewünscht sind

SUNLU

Besonders interessant, wenn:

  • Filament auf verschiedenen Druckern verwendet wird
  • bereits SUNLU-Filamente genutzt werden
  • Preis oder bestimmte Farben interessant sind
  • eine manuelle Materialauswahl kein Problem darstellt

Die eigentliche Frage sollte aber wieder lauten:

Welches konkrete PETG passt zu meinem Projekt?


Das berühmte PETG-Problem: Stringing

PETG kann stärker zu Stringing neigen als PLA.

Stringing kennen wir bereits.

Zwischen verschiedenen Stellen des Modells entstehen dünne Kunststofffäden.

Sie sehen fast wie Spinnweben aus.

Mögliche Ursachen sind:

  • feuchtes Filament
  • zu hohe Temperatur
  • ungeeignete Retract-Einstellungen
  • ungünstige Druckparameter

Bevor komplizierte Einstellungen verändert werden, sollte zuerst geprüft werden:

Ist das PETG trocken?


PETG und Feuchtigkeit

PETG kann Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen.

Feuchtes PETG kann die Druckqualität deutlich verschlechtern.

Mögliche Anzeichen sind:

  • starkes Stringing
  • kleine Bläschen
  • knisternde Geräusche
  • raue Oberfläche
  • ungleichmäßige Extrusion

Deshalb ist bei PETG eine trockene Lagerung besonders sinnvoll.

Zum Beispiel in:

  • luftdichten Boxen
  • Dryboxen
  • geeigneten Filamentbehältern

zusammen mit Trockenmittel.


PETG kann sehr gut haften

Bei PLA beschäftigen wir uns häufig mit der Frage:

Wie bekomme ich das Modell dazu, auf dem Druckbett zu haften?

Bei PETG kann manchmal die umgekehrte Frage entstehen:

Wie bekomme ich es wieder herunter?

PETG kann auf manchen Druckoberflächen sehr stark haften.

Deshalb sollte unbedingt geprüft werden, welche Druckplatte verwendet wird und welche Hinweise der Druckplattenhersteller für PETG gibt.

Nicht jede Druckoberfläche sollte gleich behandelt werden.

Das Modell sollte außerdem nach dem Druck ausreichend abkühlen.


PETG und Kühlung

Bei PLA wird häufig relativ stark gekühlt.

PETG benötigt je nach Drucksituation und Filament andere Kühlungseinstellungen.

Auch deshalb lohnt es sich, zunächst ein fertiges PETG-Profil zu verwenden.

Der Slicer weiß dann bereits, dass PETG nicht einfach wie PLA behandelt werden sollte.


PETG für mechanische Bauteile

Hier spielt PETG eine seiner großen Stärken aus.

Es eignet sich gut für viele funktionale Gegenstände.

Aber auch bei PETG gilt:

Das Material alleine macht noch kein stabiles Bauteil.

Die Stabilität hängt auch ab von:

  • Konstruktion
  • Wandstärke
  • Infill
  • Schichthaftung
  • Orientierung
  • Belastungsrichtung

Eine sinnvoll konstruierte Halterung aus PETG kann hervorragend funktionieren.

Eine schlecht konstruierte Halterung aus PETG kann trotzdem brechen.


Brauche ich 100 % Infill?

Nein.

Auch bei PETG gilt:

100 % Infill ist selten notwendig.

Für die Stabilität eines Bauteils können zusätzliche Außenwände häufig wichtiger sein als eine komplett gefüllte Mitte.

Die richtige Einstellung hängt von der Konstruktion und Belastung ab.


PETG oder PLA+?

Jetzt kennen wir zwei Möglichkeiten für robustere Bauteile.

PLA+

Interessant, wenn die einfache PLA-Verarbeitung möglichst erhalten bleiben soll.

PETG

Interessant, wenn Zähigkeit, Funktion und eine höhere Temperaturbeständigkeit stärker in den Vordergrund rücken.

Für eine dekorative Figur?

PLA.

Für einen einfachen belasteten Halter?

PLA+ oder PETG.

Für ein funktionales Werkstattbauteil?

PETG ist einen Blick wert.


PETG auf einen Blick

EigenschaftPETG
Drucken★★★★☆
Anfängerfreundlich★★★★☆
Robustheit★★★★☆
Zähigkeit★★★★☆
Funktionsteile★★★★★
Temperaturbeständigkeit★★★☆☆
Feuchtigkeitsbeständigkeit★★★★☆
Outdoor★★★☆☆
Figuren & Deko★★★☆☆
Stringing-Risiko★★★★☆

Die Sterne sind eine einfache Orientierung und keine technischen Messwerte.


PLA oder PETG auf einen Blick

MerkmalPLAPETG
Einfach zu drucken★★★★★★★★★☆
Modelle & Figuren★★★★★★★★☆☆
Funktionsteile★★★☆☆★★★★★
Zähigkeit★★★☆☆★★★★☆
Temperatur★★☆☆☆★★★☆☆
Stringing★★☆☆☆★★★★☆
Anfänger★★★★★★★★★☆

Wann nehme ich PETG?

PETG ist eine gute Wahl, wenn das Bauteil:

  • tatsächlich benutzt wird
  • robuster sein soll
  • weniger spröde sein soll
  • etwas höhere Temperaturen vertragen muss
  • ein Gehäuse ist
  • eine Halterung ist
  • für Werkstatt oder Maker-Projekte gedacht ist

Ein anderes Material kann sinnvoller sein, wenn:

maximale Einfachheit gefragt ist → PLA

die Optik im Vordergrund steht → PLA Matte oder Silk

das Bauteil dauerhaft draußen steht → ASA

das Bauteil flexibel sein soll → TPU

deutlich höhere technische Anforderungen bestehen → technische Filamente prüfen


Unser Merksatz

Wenn nur eine Sache hängen bleibt:

PETG ist der robuste Allrounder für funktionale 3D-Druckteile.

Oder noch einfacher:

PLA fürs Modell – PETG fürs Machen.

Natürlich ist das stark vereinfacht.

Aber als Entscheidungshilfe für Einsteiger funktioniert es erstaunlich gut.


Wie geht es weiter?

PETG ist bereits ein hervorragendes Material für viele funktionale Bauteile.

Aber irgendwann steigen die Anforderungen weiter.

Das Bauteil soll:

  • höhere Temperaturen aushalten
  • technisch belastbar sein
  • vielleicht nachbearbeitet werden
  • in einem geschlossenen Bauraum hergestellt werden

Dann begegnet uns ein echter Klassiker unter den technischen Kunststoffen:

ABS

ABS ist deutlich anspruchsvoller als PLA oder PETG.

Warum das so ist und warum ein geschlossener Bauraum plötzlich wichtig wird, schauen wir uns im nächsten Teil an.

Weiter mit:

Filamente einfach erklärt – Teil 6: ABS


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