Im ersten Teil unserer Filament-Serie haben wir PLA kennengelernt.
PLA ist einfach zu drucken, sieht gut aus und eignet sich für sehr viele Projekte.
Aber irgendwann kommt vielleicht die Frage:
Was nehme ich, wenn mein Bauteil etwas mehr aushalten soll?
Dann begegnet uns schnell:
PLA+
Das Plus klingt zunächst so, als wäre PLA+ einfach die bessere Version von PLA.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht.
In diesem Teil unserer Serie „Filamente einfach erklärt“ schauen wir uns deshalb an:
- Was ist PLA+?
- Was ist der Unterschied zu normalem PLA?
- Ist PLA+ wirklich stabiler?
- Ist PLA+ genauso einfach zu drucken?
- Wann lohnt sich PLA+?
- Und wie sieht es bei Bambu Lab und SUNLU aus?
Was ist PLA+?
Beginnen wir ganz einfach.
PLA+ basiert grundsätzlich auf der bekannten PLA-Familie.
Die Rezeptur wurde jedoch verändert, um bestimmte Eigenschaften zu verbessern.
Stell dir normales PLA wie einen normalen Turnschuh vor.
Der Hersteller verändert jetzt Materialien und Aufbau und versucht daraus einen robusteren Turnschuh zu machen.
Es bleibt ein Turnschuh.
Aber er kann sich etwas anders verhalten.
Bei PLA+ ist es ähnlich.
PLA+ = modifiziertes PLA
Je nach Hersteller kann beispielsweise versucht werden, das Material:
- schlagfester
- weniger spröde
- belastbarer
- besser zu verarbeiten
zu machen.
Ist PLA+ immer besser als PLA?
Nein.
Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse dieses Artikels.
PLA+ ist kein einheitlicher Standard.
Es gibt keine allgemeine Regel, die genau festlegt:
„So muss PLA+ zusammengesetzt sein.“
Ein Hersteller kann seine Rezeptur anders verändern als ein anderer.
Deshalb können sich zwei Rollen mit der Aufschrift PLA+ durchaus unterschiedlich verhalten.
Das bedeutet auch:
Ein PLA+ von SUNLU muss nicht die gleichen Eigenschaften besitzen wie ein PLA+ eines anderen Herstellers.
Was ist der Unterschied zwischen PLA und PLA+?
Für den Einstieg können wir den Unterschied stark vereinfachen:
PLA
Einfach zu drucken und für viele normale Modelle geeignet.
PLA+
Eine veränderte PLA-Rezeptur, die häufig auf bessere mechanische Eigenschaften optimiert wurde.
Das bedeutet aber nicht automatisch:
PLA+ ist in jeder Eigenschaft besser.
Die tatsächlichen technischen Daten des jeweiligen Herstellers sind entscheidend.
Wofür eignet sich PLA+?
PLA+ wird besonders interessant, wenn aus einem schönen Modell ein benutzbares Bauteil werden soll.
Zum Beispiel:
- Halterungen
- Werkzeughalter
- Gehäuse
- Clips
- Spielzeug
- Organizer
- Griffe
- Prototypen
- Funktionsteile
- Bauteile für Maker-Projekte
Stell dir vor, wir drucken eine Figur.
Sie steht anschließend im Regal.
Dafür reicht normales PLA normalerweise vollkommen aus.
Jetzt drucken wir einen Werkzeughalter.
Dieser wird regelmäßig angefasst und belastet.
Hier kann ein robusteres PLA+ interessant werden.
Ist PLA+ unzerstörbar?
Nein.
Das Plus im Namen verwandelt PLA nicht in einen unzerstörbaren technischen Kunststoff.
Auch PLA+ hat Grenzen.
Besonders wichtig:
PLA+ ist nicht automatisch hitzebeständig.
Wenn ein Bauteil hohen Temperaturen ausgesetzt wird, müssen die technischen Daten des konkreten Materials geprüft werden.
Für einen Halter im heißen Auto kann beispielsweise ein anderes Material sinnvoller sein.
Dafür lernen wir später unter anderem PETG und ASA kennen.
Wie einfach lässt sich PLA+ drucken?
Das ist eine der großen Stärken vieler PLA+-Varianten.
Sie sollen verbesserte Eigenschaften bieten, ohne den Druck unnötig kompliziert zu machen.
Deshalb lässt sich PLA+ häufig ähnlich unkompliziert wie normales PLA verarbeiten.
Für Einsteiger bedeutet das:
PLA+ kann bereits nach den ersten Erfahrungen mit PLA ausprobiert werden.
Man muss dafür normalerweise nicht erst zum 3D-Druck-Profi werden.
SUNLU PLA+ und PLA+ 2.0
Bei SUNLU begegnen uns gleich mehrere Varianten.
Dazu gehören unter anderem:
SUNLU PLA+
und
SUNLU PLA+ 2.0
SUNLU bewirbt PLA+ 2.0 insbesondere mit verbesserter Zähigkeit und hoher Schlagfestigkeit. Der Hersteller positioniert das Material damit stärker für funktionale Anwendungen als sein normales PLA.
Das macht PLA+ 2.0 beispielsweise interessant für:
- funktionale Modelle
- Spielzeug
- Halterungen
- Bauteile mit Schnappverbindungen
- Prototypen
- mechanisch stärker beanspruchte Drucke
Für die konkreten Drucktemperaturen sollte immer das aktuelle Profil beziehungsweise die Angabe auf der jeweiligen Rolle verwendet werden.
Und was ist mit Bambu Lab?
Hier wird ein wichtiger Unterschied zwischen den Herstellern sichtbar.
Nicht jeder Hersteller verwendet dieselben Produktnamen.
Bei Bambu Lab sollte deshalb nicht einfach nach einem Produkt gesucht werden, das unbedingt „PLA+“ heißen muss.
Bambu Lab bietet verschiedene PLA-Rezepturen für unterschiedliche Anforderungen an.
Für normale Anwendungen ist beispielsweise:
Bambu Lab PLA Basic
der klassische Ausgangspunkt.
Daneben gibt es weitere PLA-Varianten, die auf bestimmte Eigenschaften, Oberflächen oder Anwendungen ausgelegt sind.
Das zeigt sehr schön:
Der Name auf der Rolle ist weniger wichtig als die Eigenschaften des Materials.
PLA+ ist kein Materialname wie PLA
Das klingt zunächst etwas verwirrend.
Stell dir den Begriff „Sport“ bei einem Auto vor.
Ein Auto mit „Sport“ im Namen kann:
- mehr Leistung haben
- ein anderes Fahrwerk besitzen
- anders aussehen
- andere Sitze besitzen
Aber „Sport“ sagt alleine noch nicht exakt, was verändert wurde.
Bei:
PLA+
ist es ähnlich.
Das Plus bedeutet im Grunde:
Der Hersteller hat sein normales PLA verändert beziehungsweise weiterentwickelt.
Was genau verbessert wurde, erfahren wir erst in den technischen Angaben des jeweiligen Herstellers.
PLA oder PLA+ – was soll ich kaufen?
Machen wir es wieder ganz einfach.
Ich drucke meine ersten Modelle.
→ PLA
Ich drucke Figuren und Dekoration.
→ PLA reicht meistens.
Ich drucke Prototypen.
→ PLA oder PLA+
Ich drucke Halterungen und Funktionsteile.
→ PLA+ kann interessant sein.
Mein Bauteil wird häufiger mechanisch belastet.
→ PLA+ prüfen
Mein Bauteil wird sehr warm.
→ Nicht einfach PLA+ wählen. Ein temperaturbeständigeres Material prüfen.
Mein Bauteil kommt dauerhaft nach draußen.
→ Später schauen wir uns ASA an.
PLA+ oder PETG?
Jetzt wird es interessant.
Wenn ein Bauteil robuster werden soll, stellt sich schnell die Frage:
PLA+ oder PETG?
Für den Einstieg können wir es so vereinfachen:
PLA+
Wenn die einfache Verarbeitung von PLA wichtig ist und etwas robustere mechanische Eigenschaften gewünscht werden.
PETG
Wenn ein funktionales Bauteil benötigt wird und beispielsweise Temperaturbeständigkeit und Zähigkeit stärker in den Vordergrund rücken.
Aber:
Das ist nur eine Faustregel.
Für ein technisches Bauteil sollten immer die Daten des konkreten Materials betrachtet werden.
Welche Temperatur braucht PLA+?
Auch hier gibt es keine allgemeine Temperatur für jedes PLA+.
Warum?
Weil PLA+ keine einheitliche Rezeptur ist.
Hersteller verändern ihre Materialien unterschiedlich.
Deshalb gilt:
Herstellerangaben verwenden.
Bei einem modernen Slicer kann zunächst ein vorhandenes Profil für das entsprechende Material verwendet werden.
Bei Fremdfilament auf einem Bambu-Lab-Drucker kann ein passendes generisches Profil ein sinnvoller Ausgangspunkt sein.
Danach schauen wir uns das Druckergebnis an.
Nicht sofort alles verändern
Vielleicht sieht der erste Druck mit PLA+ nicht perfekt aus.
Dann sollten wir nicht gleichzeitig:
- Temperatur
- Geschwindigkeit
- Kühlung
- Flow
- Retract
- Beschleunigung
verändern.
Wir kennen die Regel bereits aus unserer Einsteiger-Serie:
Eine Änderung nach der anderen.
Zum Beispiel:
Problem: Viele Fäden.
Dann prüfen wir zunächst Filamentzustand und Temperatur.
Anschließend testen wir erneut.
So finden wir tatsächlich heraus, was geholfen hat.
Muss PLA+ getrocknet werden?
Auch PLA+ sollte trocken gelagert werden.
Das Material kann Feuchtigkeit aufnehmen.
Mögliche Hinweise auf feuchtes Filament sind:
- verstärktes Stringing
- raue Oberflächen
- ungleichmäßige Extrusion
- kleine Bläschen
- knisternde Geräusche
Das bedeutet nicht, dass jede Rolle vor jedem Druck getrocknet werden muss.
Wenn allerdings typische Probleme auftreten oder das Filament längere Zeit offen gelagert wurde, kann eine fachgerechte Trocknung sinnvoll sein.
Dabei sollten die Temperatur- und Zeitangaben des jeweiligen Herstellers verwendet werden.
PLA+ und die erste Schicht
Auch das beste Filament funktioniert nicht auf einem fettigen Druckbett.
Deshalb gelten unsere bekannten Grundlagen weiterhin.
Vor dem Druck:
Druckplatte kontrollieren.
Passendes Filamentprofil auswählen.
Druckbett sauber halten.
Erste Schicht beobachten.
Wenn die erste Schicht nicht richtig haftet, ist nicht automatisch das PLA+ schuld.
Mehr Stabilität? Infill ist nicht alles!
Jetzt kommt ein besonders wichtiger Punkt.
Wir haben PLA+ gekauft, weil unser Bauteil stabil werden soll.
Also stellen wir einfach:
100 % Infill
ein.
Richtig?
Nicht unbedingt.
Die Stabilität eines 3D-Drucks hängt von vielen Dingen ab:
- Material
- Anzahl der Außenwände
- Infill
- Drucktemperatur
- Schichthaftung
- Bauteilgeometrie
- Ausrichtung auf dem Druckbett
- Belastungsrichtung
Besonders die Ausrichtung des Bauteils kann entscheidend sein.
Ein schlecht ausgerichtetes Teil aus PLA+ kann unter Umständen früher brechen als ein sinnvoll konstruiertes und ausgerichtetes Teil aus normalem PLA.
Die Richtung der Schichten beachten
Stell dir einen Stapel Kekse vor.
Drückst du von oben darauf, hält der Stapel einiges aus.
Versuchst du aber, die einzelnen Kekse seitlich auseinanderzuziehen, trennen sie sich leicht.
Ein FDM-Druck besteht ebenfalls aus einzelnen Schichten.
Deshalb sollten wir bei funktionalen Bauteilen überlegen:
In welche Richtung wird das Bauteil später belastet?
Das gilt nicht nur für PLA+.
Es ist eine der wichtigsten Grundlagen beim Konstruieren funktionaler 3D-Druckteile.
Bambu Lab oder SUNLU?
Für unsere Serie vergleichen wir bewusst beide Hersteller.
Bei PLA+ ist der Vergleich allerdings nicht ganz 1:1 möglich.
SUNLU
SUNLU verwendet die Bezeichnung PLA+ direkt und bietet verschiedene entsprechende Varianten an.
Ein Beispiel ist:
SUNLU PLA+ 2.0
Bambu Lab
Bambu Lab strukturiert seine PLA-Familie anders und bietet unterschiedliche Varianten für verschiedene Anforderungen.
Deshalb sollte nicht einfach anhand des Namens verglichen werden.
Besser ist:
Anwendung festlegen → Eigenschaften vergleichen → Filament auswählen.
Das gilt übrigens für alle Hersteller.
PLA+ auf einen Blick
| Eigenschaft | PLA+ |
|---|---|
| ★★★★★ | |
| Anfängerfreundlich | ★★★★★ |
| Oberfläche | ★★★★☆ |
| Robustheit | ★★★★☆ |
| Funktionsteile | ★★★★☆ |
| Temperaturbeständigkeit | ★★☆☆☆ |
| Flexibilität | ★★☆☆☆ |
| Outdoor | ★★☆☆☆ |
| Modelle & Deko | ★★★★★ |
Die Sterne dienen nur als einfache Orientierung. Die tatsächlichen Eigenschaften unterscheiden sich je nach Hersteller und Rezeptur.
PLA oder PLA+ auf einen Blick
| Merkmal | PLA | PLA+ |
|---|---|---|
| Einfach zu drucken | ★★★★★ | ★★★★★ |
| Modelle | ★★★★★ | ★★★★★ |
| Dekoration | ★★★★★ | ★★★★☆ |
| Funktionsteile | ★★★☆☆ | ★★★★☆ |
| Robustheit | ★★★☆☆ | ★★★★☆ |
| Anfänger | ★★★★★ | ★★★★★ |
| Preis | meist günstiger | häufig etwas höher |
Auch hier gilt:
Die Tabelle ist eine Orientierung und kein technischer Materialvergleich.
Wann lohnt sich PLA+?
PLA+ ist besonders interessant, wenn:
- PLA bereits problemlos gedruckt werden kann
- Funktionsteile hergestellt werden sollen
- ein weniger sprödes Verhalten gewünscht wird
- Halterungen gedruckt werden
- Bauteile häufiger benutzt werden
- die einfache Verarbeitung von PLA erhalten bleiben soll
Normales PLA bleibt trotzdem eine hervorragende Wahl.
Für ein Architekturmodell oder eine Figur bringt ein robusteres Material möglicherweise überhaupt keinen Vorteil.
Das Wichtigste in einem Satz
PLA+ ist eine vom Hersteller veränderte PLA-Rezeptur, die häufig auf bessere mechanische Eigenschaften optimiert wird, aber nicht einheitlich definiert ist.
Deshalb gilt:
Nicht nur auf das „+“ schauen.
Die Eigenschaften des konkreten Filaments sind entscheidend.
Wie geht es weiter?
Bis jetzt haben wir vor allem über die technischen Eigenschaften von PLA gesprochen.
Im nächsten Teil geht es um etwas völlig anderes:
Die Oberfläche.
Wir möchten ein Modell, bei dem die einzelnen Schichten möglichst wenig auffallen und das nicht so stark glänzt.
Dafür gibt es:
PLA Matte
Im nächsten Teil unserer Serie schauen wir uns deshalb Bambu Lab PLA Matte und SUNLU Matte PLA genauer an.
Wir klären:
- Warum sieht Matte PLA anders aus?
- Sind Schichtlinien wirklich weniger sichtbar?
- Ist Matte PLA genauso stabil wie normales PLA?
- Welche Modelle profitieren davon?
- Gibt es Nachteile?
Weiter mit:
Filamente einfach erklärt – Teil 3: PLA Matte


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