PLA, PETG, ABS, ASA, TPU …
Und dann gibt es auch noch PLA Basic, PLA+, Matte, Silk und viele weitere Varianten.
Wer gerade mit dem 3D-Druck beginnt, kann bei der Auswahl schnell den Überblick verlieren.
Dabei ist es eigentlich gar nicht so kompliziert.
In dieser Serie erklären wir die wichtigsten Filamente für den 3D-Druck ganz einfach.
Dabei schauen wir uns auch konkrete Filamente von Bambu Lab und SUNLU an.
Was ist Filament?
Stell dir einen sehr langen Kunststofffaden vor.
Dieser Faden ist auf einer Rolle aufgewickelt und wird vom 3D-Drucker eingezogen.
Im Druckkopf wird der Kunststoff heiß und weich.
Anschließend wird er durch die Nozzle gedrückt.
Der Drucker legt eine dünne Kunststofflinie auf das Druckbett.
Darauf kommt die nächste.
Und die nächste.
So entsteht Schicht für Schicht unser Bauteil.
Diesen Kunststofffaden nennen wir:
Filament
Warum gibt es verschiedene Filamente?
Stell dir vor, wir möchten Schuhe kaufen.
Für einen Spaziergang brauchen wir andere Schuhe als für eine Wanderung.
Und für einen Fußballplatz wieder andere.
Bei Filament ist es genauso.
Ein Filament eignet sich besonders gut für schöne Modelle.
Ein anderes hält höhere Temperaturen aus.
Ein weiteres kann draußen verwendet werden.
Und manche Filamente sind sogar flexibel wie Gummi.
Deshalb lautet die wichtigste Frage nicht:
Welches ist das beste Filament?
Sondern:
Welches Filament passt zu meinem Projekt?
Die wichtigsten Filamente auf einen Blick
| Filament | Einfach erklärt | Besonders geeignet für | |
|---|---|---|---|
| PLA | Der Allrounder | ★★★★★ | fast alles zum Einstieg |
| PLA+ / Tough | PLA in robuster | ★★★★★ | Funktionsteile und Halterungen |
| PLA Matte | PLA ohne Glanz | ★★★★★ | Modelle Deko und Gehäuse |
| PLA Silk | PLA mit Glanz | ★★★★☆ | Figuren Vasen und Deko |
| PETG | robuster Allrounder | ★★★★☆ | Funktionsteile und Werkstatt |
| ABS / ASA | für anspruchsvollere Aufgaben | ★★☆☆☆ | Technik Wärme und Outdoor |
| TPU | flexibel | ★★☆☆☆ | Reifen Füße und flexible Teile |
Die Sterne sind nur eine einfache Orientierung für Einsteiger und keine technischen Messwerte.
PLA: Der einfache Allrounder
Wenn gerade erst mit dem 3D-Druck begonnen wird, lautet die Antwort meistens:
Nimm PLA.
PLA lässt sich relativ einfach drucken und eignet sich für sehr viele Projekte.
Zum Beispiel:
- Figuren
- Modelle
- Spielzeug
- Prototypen
- Gehäuse
- Halterungen
- Dekoration
- Unterrichtsmodelle
PLA ist deshalb unser Allrounder.
Bei Bambu Lab wäre beispielsweise PLA Basic ein typischer Vertreter.
SUNLU bietet ebenfalls klassisches PLA an.
Merksatz:
PLA = einfach und vielseitig
➡️ Teil 1: PLA einfach erklärt
PLA+ und Tough: Wenn PLA etwas mehr aushalten soll
Jetzt stellen wir uns vor:
PLA funktioniert prima.
Unser Bauteil soll aber etwas robuster werden.
Dafür gibt es modifizierte PLA-Varianten.
Bei SUNLU begegnen uns beispielsweise Namen wie:
PLA+
oder
PLA+ 2.0
Andere Hersteller verwenden teilweise andere Namen für besonders robuste PLA-Varianten.
Wichtig ist:
PLA+ ist keine einheitlich festgelegte Kunststoffsorte.
Die genaue Zusammensetzung und die Eigenschaften unterscheiden sich deshalb zwischen den Herstellern.
Solche Materialien können interessant sein für:
- Halterungen
- Spielzeug
- Gehäuse
- Funktionsteile
- stärker beanspruchte Modelle
Merksatz:
PLA+ = einfach wie PLA, aber auf Robustheit optimiert
➡️ Teil 2: PLA+ und robuste PLA-Sorten einfach erklärt
PLA Matte: Wenn es nicht glänzen soll
Technisch gehört Matte PLA weiterhin zur PLA-Familie.
Der große Unterschied ist die Oberfläche.
Normales PLA kann je nach Filament und Druckeinstellung sichtbar glänzen.
Matte PLA soll dagegen eine matte Oberfläche erzeugen.
Dadurch können auch die einzelnen Schichtlinien weniger auffällig wirken.
Das ist besonders interessant für:
- Architekturmodelle
- Figuren
- Gehäuse
- Dekoration
- Designobjekte
- Präsentationsmodelle
Sowohl Bambu Lab als auch SUNLU bieten matte PLA-Varianten an.
Merksatz:
PLA Matte = PLA für eine matte Optik
➡️ Teil 3: PLA Matte einfach erklärt
PLA Silk: Wenn es richtig glänzen soll
Jetzt machen wir genau das Gegenteil.
Silk PLA soll glänzen.
Manche Varianten können sogar fast metallisch wirken.
Dadurch eignet sich Silk hervorragend für:
- Figuren
- Vasen
- Pokale
- Schriftzüge
- Geschenke
- Dekoration
- Ausstellungsstücke
Hier steht normalerweise nicht maximale technische Belastbarkeit im Vordergrund.
Es geht vor allem um:
Optik!
Merksatz:
PLA Silk = PLA fürs Auge
➡️ Teil 4: Silk PLA einfach erklärt
PETG: Der nächste Schritt
Irgendwann reicht PLA möglicherweise nicht mehr.
Vielleicht soll eine Halterung robuster werden.
Oder das Bauteil soll höhere Temperaturen vertragen.
Dann begegnet uns sehr schnell:
PETG
PETG ist ebenfalls ein sehr beliebtes Filament.
Es eignet sich beispielsweise für:
- Halterungen
- Funktionsteile
- Werkstattprojekte
- Gehäuse
- technische Bauteile
PETG ist etwas anspruchsvoller zu drucken als PLA.
Mit guten Druckprofilen ist der Unterschied für Einsteiger aber nicht mehr riesig.
Merksatz:
PETG = wenn PLA etwas zu wenig ist
➡️ Teil 5: PETG einfach erklärt
ABS und ASA: Jetzt wird es technischer
ABS ist ein bekannter technischer Kunststoff.
Er kann höhere Temperaturen vertragen und eignet sich für robuste Bauteile.
Allerdings ist ABS schwieriger zu drucken als PLA oder PETG.
Beim Abkühlen kann es sich stärker zusammenziehen.
Dadurch können sich Ecken vom Druckbett lösen.
Das kennen wir bereits als:
Warping
Ein geschlossener Bauraum ist deshalb für solche Materialien sehr hilfreich.
Und was ist ASA?
ASA kann man sich für den Einstieg ein bisschen wie den Outdoor-Verwandten von ABS vorstellen.
Eine seiner großen Stärken ist seine gute Beständigkeit gegen Witterung und UV-Strahlung.
Deshalb ist ASA interessant für:
- Gartenprojekte
- Außengehäuse
- Halterungen im Freien
- technische Bauteile
- Projekte rund um Fahrzeuge
Merksatz:
ABS = technisch und temperaturbeständiger
ASA = technisch und besonders interessant für draußen
➡️ Teil 6: ABS und ASA einfach erklärt
TPU: Filament, das sich biegen lässt
Bis jetzt waren unsere Materialien hauptsächlich hart.
TPU ist anders.
TPU ist:
flexibel.
Ein gedrucktes Bauteil kann sich je nach TPU-Sorte zusammendrücken oder verbiegen und anschließend wieder in seine Form zurückkehren.
Damit können Dinge gedruckt werden, die mit PLA kaum möglich wären.
Zum Beispiel:
- Reifen
- Schutzkappen
- Stoßfänger
- flexible Füße
- Schutzhüllen
- flexible Halterungen
Das Drucken ist allerdings anspruchsvoller.
Der Grund ist leicht zu verstehen:
Versuche einmal, ein Stück gekochte Spaghetti durch einen dünnen Schlauch zu schieben.
Ein flexibles Filament lässt sich schwieriger kontrolliert transportieren als ein steifes PLA.
Merksatz:
TPU = wenn das Bauteil flexibel sein soll
➡️ Teil 7: TPU einfach erklärt
Welches Filament brauche ich?
Machen wir die Entscheidung ganz einfach.
Ich fange gerade mit 3D-Druck an.
→ PLA
Mein Modell soll schön matt aussehen.
→ PLA Matte
Mein Modell soll glänzen.
→ PLA Silk
Ich möchte ein robusteres PLA.
→ PLA+ beziehungsweise eine entsprechende robuste PLA-Variante
Ich möchte ein funktionales und robusteres Bauteil.
→ PETG
Mein Bauteil soll dauerhaft nach draußen.
→ ASA
Ich benötige ein technisches, temperaturbeständigeres Material.
→ je nach Anwendung PETG, ABS oder ASA
Mein Bauteil soll weich oder flexibel sein.
→ TPU
Unsere vier wichtigsten Merksätze
Wer sich die ganzen Namen noch nicht merken kann, braucht für den Anfang nur diese vier:
PLA = einfach
PETG = robuster
ASA = draußen
TPU = flexibel
Damit können wir bereits erstaunlich viele Projekte abdecken.
Und was ist mit Carbon?
Vielleicht sind bereits Filamente mit Namen wie:
PLA-CF
PETG-CF
PA-CF
aufgefallen.
CF steht für:
Carbon Fiber
Dem Kunststoff wurden Kohlenstofffasern zugesetzt.
Daneben gibt es noch viele weitere technische Filamente:
- Nylon beziehungsweise PA
- PC
- PET-CF
- PA-CF
- PPA-CF
- glasfaserverstärkte Filamente
Diese Materialien stellen teilweise besondere Anforderungen an Drucker, Nozzle, Trocknung und Druckbedingungen.
Deshalb lassen wir sie für den Einstieg zunächst weg.
Sie bekommen später ihre eigene Serie:
Technische Filamente einfach erklärt
Die Serie: Filamente einfach erklärt
In den nächsten Beiträgen schauen wir uns jedes Material genauer an.
Teil 1
PLA einfach erklärt: Das Filament für den Einstieg
Teil 2
PLA+ einfach erklärt: Wenn PLA robuster werden soll
Teil 3
PLA Matte einfach erklärt: Wenn die Oberfläche zählt
Teil 4
PLA Silk einfach erklärt: Wenn der 3D-Druck glänzen soll
Teil 5
PETG einfach erklärt: Der nächste Schritt nach PLA
Teil 6
ABS und ASA einfach erklärt: Technik und Outdoor
Teil 7
TPU einfach erklärt: Flexibel drucken
Dabei schauen wir uns jeweils auch konkrete Varianten von Bambu Lab und SUNLU an.
Außerdem klären wir:
- Wie lässt sich das Filament drucken?
- Welche Temperaturen werden benötigt?
- Muss es getrocknet werden?
- Wofür eignet es sich?
- Wofür eignet es sich nicht?
- Welche typischen Probleme gibt es?
- Welches Filament von Bambu Lab oder SUNLU passt dazu?
Fazit
Die Auswahl des richtigen Filaments muss nicht kompliziert sein.
Wir müssen nicht alle Kunststoffarten auswendig lernen.
Stattdessen fragen wir uns:
Was soll mein fertiges Bauteil können?
Soll es einfach nur gut aussehen?
Dann reicht häufig PLA.
Soll es robuster sein?
Dann schauen wir uns PETG an.
Soll es draußen verwendet werden?
Dann wird ASA interessant.
Soll es sich verbiegen lassen?
Dann brauchen wir TPU.
Nicht das teuerste oder technischste Filament ist automatisch das beste.
Das beste Filament ist das Material, das zu unserem Projekt passt.
Und genau diese Materialien schauen wir uns in den nächsten Teilen genauer an.
Alle Beiträge dieser Serie
- Übersicht: Welches Filament brauche ich? (Aktuell)
- Teil 1: PLA
- Teil 2: PLA+
- Teil 3: PLA Matte
- Teil 4: Silk PLA
- Teil 5: PETG
- Teil 6: ABS
- Teil 7: ASA
- Teil 8: TPU


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